An den Lidern

Ich reize meine geschlossenen Augenlider mit den Fingerspitzen und beobachte die entstehenden Nachbilder – flüchtige, immaterielle Lichtphänomene, die sich auf der inneren Wahrnehmungsfläche des Auges abzeichnen. Diese Erscheinungen sind instabil, subjektiv und nur für den Moment des Sehens existent.

Um diese visuellen Eindrücke zu überführen, übersetze ich sie unmittelbar in eine zeichnerische Handlung auf Transparentpapier. Mit Lidschatten eingefärbte Fingerspitzen dienen mir dabei als Werkzeug, um die inneren Lichtspuren in eine materielle Oberfläche zu überführen und sie aus der Dunkelheit des geschlossenen Auges herauszuführen.

Sobald ein Blatt durch diese Bewegungs- und Farbspuren gefüllt ist, wiederhole ich den Prozess auf weiteren Schichten aus Transparentpapier. Diese Lagen werden anschließend übereinandergelegt, sodass ein vielschichtiger Bildraum entsteht. Obwohl das Ergebnis in seiner materiellen Form statisch ist, bleibt die ursprüngliche Dynamik der Bewegung in der Überlagerung der Schichten erhalten.

Durch dieses physische Übereinanderlegen von Handlungen entsteht ein Raum, in dem sich flüchtige Wahrnehmung sedimentiert. Das Zeichnen ist hier kein Abbilden äußerer Objekte, sondern eine Verschiebung von innerer Wahrnehmung in materielle Präsenz – ein Versuch, die Grenze zwischen Sehen und Gesehenem als stabile Trennung aufzulösen.