Arbeiten             Vita

Ein konstruktives Gespräch

2025
Packpapier, Klebeband, gefaltet und verklebt
Kollaborative Arbeit mit Ikue Ohta in super+Centercourt
ca. H307 × B465 ×T468 cm

In der ortsspezifischen Installation Ein konstruktives Gespräch beschäftigen wir – Ikue Ohta und ich – uns mit der Geschichte des Münchner Super+Centercourt. Der Raum, ursprünglich als öffentlicher Durchgang gedacht, diente aufgrund seiner Offenheit immer wieder als vorübergehender Schutzraum für obdachlose Menschen. Diese Geschichte eines Ortes zwischen Sichtbarkeit und Verdrängung bildet den Ausgangspunkt unserer Arbeit. Sie untersucht das Verhältnis von Körper, privatem Rückzug und gesellschaftlicher Fragilität.

Phase 1 : In der ersten Phase ist der Raum ausschließlich durch das Schaufenster einsehbar. Im Inneren ist die gesamte Fläche mit Packpapier und Klebeband ausgekleidet, sodass eine fragile Hülle des Raumes entsteht. Die Wahl dieser flüchtigen Materialien verweist auf Übergangssituationen und provisorische Zufluchten.

Phase 2 : In der zweiten Phase wird der Raum mit der Eröffnung zugänglich. Die Besucher:innen können die Arbeit sowohl von außen als auch im Inneren frei betrachten. Das Papier aus der ersten Phase haben wir abgenommen und zu hausförmigen Skulpturen neu geformt. Da das Material seine Falten und Gebrauchsspuren bewahrt, bleibt die Geschichte der vorherigen Umhüllung in den Objekten präsent. Wie Pakete im ständigen Transit verweisen sie auf die Flüchtigkeit provisorischer Behausungen und auf die Frage, welchen Platz der Einzelne in einem instabilen urbanen Gefüge einnimmt.

Ein konstruktives Gespräch bezieht sich nicht allein auf den Dialog zwischen unseren beiden künstlerischen Positionen. Er rückt vielmehr das wechselseitige Verhältnis von Mensch und Raum in den Blick – und damit auch die Frage, wie wir uns durch materielle Hüllen zu unserer Umgebung in Beziehung setzen. Die Arbeit versteht sich nicht als Suche nach Antworten, sondern als Versuch, der Notwendigkeit und zugleich der Fragilität menschlicher Behausung nachzuspüren.